Menschen aus Franken u.Bayern um 1330

" arm - und - reich "


                                   

                                                                  

 
 

 

                        Die Geschichte von Michl und Gesine Böttcher

 

Michl Böttcher  wird  als vierter Sohn eines Faßmachers in Coburg geboren. Michl ist der Liebling seiner Mutter und darf aufgrund ihre Fürsprache beim Vater in der Klosterschule lesen und schreiben lernen. Er soll eigentlich Schreiber beim Rat der Stadt Coburg werden, jedoch sein handwerkliches Geschick im Umgang mit Leder und Fell überzeugt einen Meister und er nimmt Michl als Lehrling. Ebenso bekommt er aufgrund seiner Liebe zu Greifvögeln von einem befreundeten Falkner für den Michl den einen oder anderen Handschuh hergestellt hatte, Unterweisungen in der Pflege und Haltung dieser schönen Tiere. Ein paar Jahre arbeitet Michl in beiden Gewerben als er 1325 die Tuchhändlerwitwe Gesine Matthes die es aus Hanovera an der Leine nach Coburg verschlagen hat, kennen und lieben lernt. Die beiden heiraten und führen im Haus von Gesine – die im angemessenen Rahmen weiterhin mit Tuchen handelt und das große Glück hat die Landgräfin Jadis Elisabeth beliefern zu dürfen– mit den Kindern aus Gesines erster Ehe ein ruhiges und beschauliches Leben. Das Haus von Michl und Gesine ist aufgrund ihrer Berufe offen für jeden und so haben sie oft Gäste zu beherbergen. Gesine kocht mit Leidenschaft und das auch noch gut und das spricht sich herum. Oft hilft sie daher in Nachbarschaft und Freundeskreisen aus.  Michl bekommt nach einiger Zeit die Gelegenheit beim Landgrafenpaar als Falkner ein wenig dazuzuverdienen. Auch Gesine hat ihr Herz für die Greifvögel entdeckt und hilft Michl wo immer es geht. Für den Tuchhandel bleibt da kaum noch Zeit. Lediglich für die Landgräfin ist Gesine immer als beratende und einkaufende Fachfrau im Bezug auf Stoffe da. Es dauert nicht lange und dem Landgrafen wird zugetragen mit wieviel Eifer, Kenntnis und Liebe sich die Böttchers um die Greife ihres Herrn kümmern. Michl wird bald Falkenmeister des Landgrafen. Auch Gesine festigt mehr und mehr ihre Kenntnise und unterstützt Michl in seiner neuen anspruchsvollen aber auch arbeitsintensiven Tätigkeit. Beide sind nicht reich - aber sie sind sparsam und wirtschaften gut. Sie können daher  ihre Kinder im Kloster unterrichten lassen und ihnen so einen guten Start in ein eigenständiges Leben ermöglichen. Das Leben von Michl und Gesine ist rundum gut........Bis das Landgrafenpaar Falkmar Gabriel und Jadis Elisabeth vom Walde die Böttchers auffordern mit ihnen nach Mühldorf am Inn zu reisen, weil sie auf die Dienste der Beiden nicht verzichten wollen. Michl und Gesine folgen der Aufforderung des adeligen Paares - nicht ahnend dass auch für sie eine Rückkehr  nach Coburg nicht stattfinden wird.

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Die folgenden Zeilen beziehen sich auf die Bettler Lumpenmichl und Gesine die es in einer Nebendarstellung gibt:

 

Das Leben von Michl und Gesine hätte aber auch ganz anders verlaufen können - dramatisch. Ein Nachbar – Thobald Kramer, ein wohlhabender Gewürzhändler - hat ein Auge auf Gesine und das an sein eigenes Haus grenzende Anwesen geworfen. Da er beides nicht auf legale Weise bekommen kann – voller Empörung hat Gesine auf die Nachstellungen durch den Nachbar reagiert  und diesem mit Klage gedroht – denunziert er Michl bei der Obrigkeit. Michl soll gewildert haben – eine Tat die zu der damaligen Zeit hart bestraft wurde. Michl wandert in den Turm. Ein im Schuppen deponiertes Stück Wild dient als „Beweis“. Ein gekaufter Nachbar bezeugt die Tat zudem. Da hilft kein Leugnen und kein Wehklagen – Michl wird verurteilt. Ihm soll die rechte Hand abgehackt, er soll geblendet  und anschließend sollen er und Gesine aus der Stadt vertrieben werden…

Der Landgraf   Falkmar Gabriel vom Walde welcher das Urteil unterzeichnen muß kennt Michl jedoch als rechtschaffenen und fleißigen Handwerker. Als auch Falkmars Gemahlin Jadis Elisabeth (sie kennt Gesine noch aus der Zeit als sie mit Tuchhändler Arndt Matthes verheiratet war und Tuche für das Gesinde des Grafenpaares lieferte) für Michl eintritt,  ändertert der Landgraf das Urteil ab:

„Nur“ der Zeige- und Mittelfinger soll abgetrennt werden – was jedwege Handwerkstätigkeit sowie das Schreiben (und jagen) fortan unmöglich macht, er wird nur auf einem Auge geblendet. Vertrieben werden Michl und Gesine trotzdem, ihre Kinder kommen ins Waisenhaus des Klosters – und der Nachbar nimmt das nun leere Haus der Beiden in Besitz.

Seitdem ziehen „Lumpenmichl“ (wie er sich nennt  im Hinblick auf seine zerschlissene Kleidung) und Gesine durch die Lande und versuchen irgendwie zu überleben. Betteln und der Verkauf von „heiligen Knochen“ bringen ein wenig Geld in den Beutel. Ein hartes Leben am Rande der mittelalterlichen Gesellschaft – welches aber nicht so ungewöhnlich war. Bettler hatten durchaus einen gewissen Stand im Mittelalter. Gute Taten, Almosen und im Gegenzug ein „vergelts Gott“ bestimmten die Beziehung der Menschen untereinander.

Irgendwann in einem Spätsommer verliert sich die Spur von Lumpenmichl und Gesine fast völlig. Der eine oder andere Mitmensch meint sie aber gelegentlich auf einem Markt zu sehen ...........

 

 

      Lumpenmichl und Gesine im Bettlerlager