Menschen aus Franken u.Bayern im 14. J.

" arm - und - reich "


 

 

                                      (Frauen)Leben im Mittelalter

 

Das Leben der Bevölkerung im Mittelalter – vor allem das des Adels -  wird oft sehr verklärt dargestellt. Der hehre Recke, die holde Maid welche in schmachtender Liebe zueinander finden – das gab es in der Wirklichkeit eher selten.

Frauen hatten im Mittelalter vor allem 2 Aufgaben: Zum einen vermehrten sie durch die Eheschließung  Macht, Einfluß und Wohlstand sowohl der Familie aus der sie stammten als auch der in die sie einheirateten. Zum anderen waren sie zum Kinderkriegen da. Da die Kindersterblichkeit sehr hoch war, waren die Frauen – soweit der Gatte sich in der Heimat aufhielt und somit seinen ehelichen Pflichten nachkommen konnte – sehr häufig schwanger. Allerdings war auch die Sterblichkeit der Mütter hoch. Es war daher  üblich, dass ein verwitweter Mann sich schnell nach einer neuen Frau umsah – auch der Kinder wegen. Auch an anderen Krankheiten wurde oft früh gestorben. Diese Tatsache  betraf Mann und Frau. Berücksichtigt man diese Umstände versteht man auch, dass eine Ehe im Normalfall nur ca 12 - 15 Jahre hielt. Neben diesen Hauptaufgaben oblag es der Hausherrin den Haushalt zu führen, die Knechte und Mägde anzuleiten, die Ausgaben zu kontrollieren – und dem Gatten gegenüber zu rechtfertigen – Obst- und Gemüsegärten zu unterhalten, auf die Kleiderpflege zu achten, Bier zu brauen  und im Fall von Gästen diese zu bewirten. Die Haus- oder Schlüsselgewalt der mittelalterlichen Frau wurde durch ein dickes Schlüsselbund am Gürtel auch nach außen demonstriert. Frauen konnten und sollten das Haus eigenständig bewirtschaften und die in ihren Machtbereich reichenden Geschäfte tätigen. Die Männer hatten die äußere Macht - eine Handlungsmacht. Diese wurde selten bis gar nicht - da "gottgewollt" - von den Frauen in Frage gestellt. Der Mann hatte weitgehende Entscheidungsvollmachten über die in seinem Haushalt lebenden Frauen - nicht nur über die Ehefrau, sondern über alle weiblichen Mitbewohner! Er bestimmte den Wohnort und hatte die alleinige Vollmacht über das Vermögen der Frau sowie die alleinige elterliche Gewalt über die Kinder. Im Fokus des weiblichen Handelns stand das Wohl von Mann und Kindern.  Die Kinder wurden in der Regel Ammen übergeben die sich oft bis ins Erwachsenenalter um die Kinder kümmerten. Mädchen wurden meist lange im Kreis der Mutter erzogen, bei Jungen trat schnell der Vater an die wichtigste Erziehungsstelle um dann  - zumindest in adeligen Kreisen  - auch recht früh durch andere Erwachsene meist außerhalb des elterlichen Haushalts ersetzt zu werden. Die Erziehung und Ausbildung der männlichen jungen Adeligen begann oft schon im Alter von 5-6  Jahren. Die Bindung der Eltern an ihre Kinder war deutlich anders und weniger eng und emotional als heute.

 Da nicht nach Liebe, Zuneigung, Alter oder  Sympathie gefragt wurde, waren Ehen im Mittelalter – und zwar nicht nur bei den Höhergestellten – meist ein Geschäft. Eine Zweckgemeinschaft die darauf aufbaute, die Familie zu erhalten und möglichst den Wohlstand zu mehren. Auch politische Gründe waren Heiratsgründe. Wer seine Tochter einem Nachbarn gab mit dem es oft Streit oder gar Kämpfe gab, hatte zumindest die Hoffnung, dass durch die Verschwägerung ein wenig Ruhe in das nachbarschaftliche Miteinander trat. Eine Garantie gab es dafür aber nicht. Oft wurde ein Pferdefuß daraus, indem der Schwiegersohn seinerseits den Schwiegervater unter Druck setzen konnte.

Trotzdem hat es natürlich auch Liebe unter den Eheleuten gegeben. Vor allem wenn diese wenigstens annähernd gleich alt waren. Oft war allerdings der Mann deutlich älter als die Frau. Der „Vorteil“ bei solchen Ehegeschäften für die  Frau: verstarb der im Idealfall sozial höher gestellte wohlhabende Mann früh, stieg ihr Heiratswert durch evtl. Ländereien und Güter beträchtlich. Auch wenn Frauen nicht unbedingt selbst erben konnten – sie mussten versorgt werden. Dies geschah meist durch jährliche Geldzahlungen und/oder Einnahmen aus Gütern etc. Oft erhielt sie auch ihre seinerzeitige Mitgift zur Verfügung. Aus diesem Grunde war eine durch Witwenschaft begüterte Frau auf dem Heiratsmarkt durchaus begehrt. Bei den einfacheren Frauen – etwa Handwerksmeisterwitwen – war es ähnlich. Durch die Ehe mit einer solchen Witwe konnte der Geselle es viel leichter zum Meister bringen. Auch bei solchen Verbindungen waren Alter und Aussehen eher Nebensache.

Freie Bäuerinnen im Witwenstand waren durch eine Neuverheiratung in der Lage wenigstens ein wenig mitentscheiden zu können wer ihr Heiratsgut mitnutzte. Der neue Mann musste in der Lage sein den Hof zu führen und die schwere Arbeit zu bewältigen. Das hieß meist, dass der „Neue“ noch jung war. Auch wenn den meisten landreichen Bauern Knechte und Mägde zur Verfügung standen – mitarbeiten musste jeder.

Leibeigene durften oft nicht selbst entscheiden ob und wen sie heirateten. Sie besaßen nichts und ihr Leben wurde von der Wiege bis zur Bahre fremdbestimmt. Sie mussten ihren Lehns- und Grundherrn um Erlaubnis fragen, wenn sie heiraten wollten. In der Regel war es diesem aber einerlei wie seine Bauern sich vermehrten. Hauptsache sie taten es überhaupt. Viele Bauen = viele Arbeitskräfte.

Ein großes Problem der adeligen Frauen war die Einsamkeit und Langeweile. Es oblag ihnen zwar den Haushalt zu führen, doch für die praktischen Tätigkeiten gab es Bedienstete. War der Ehemann abwesend, bedingt durch ständig neu aufkommende Händel und Streitigkeiten, Verpflichtungen gegenüber dem Herrscher oder der Kirche und dergleichen,  hatten die Frauen zwar einen gewissen Aufgabenbereich abzudecken, dieser war aber begrenzt. Und meist wurde ihnen ein männlicher „Helfer“ zur Seite gestellt, welcher unter anderem auch über die Treue und die Tugend der Dame zu wachen hatte. Untreue hatte meist den Tod – oder im allergünstigsten Fall Verbannung – zur Folge.

Die oft den  begüterten Frauen vorgeworfene Prunksucht und die teilweise ausufernde Mode hatte ihren Grund daher sicher auch in der Lebensführung- und Weltanschauung der damaligen Zeit.  Wenn schon nicht glücklich, dann wenigstens reich und kostbar ausgestattet mag das Lebensmotto mancher Burgherrin und später auch der Bürgerinnen gewesen sein. Man zeigte was man hatte und war.

Trotzdem waren viele Frauen sehr fromm und versuchten in ihrem Leben möglichst viele gute Taten unterzubringen. Ebneten diese doch den Weg ins Paradies. Almosen geben, sich um Arme, Alte oder Kranke zu kümmern waren oft in adeligen Kreisen freiwillige Dienste die man auf sich nahm.

Den vielen leeren Stunden und dem Wunsch und der Notwendigkeit sich zu beschäftigen verdanken wir heute die wunderschönen Handarbeiten welche oft noch nach vielen Jahrhunderten nichts an ihrer Pracht verloren haben.

Kleidung ließ die adelige Dame natürlich nähen. Die Stiche die hierbei verwendet wurden stehen denen einer modernen Nähmaschine in nichts nach.  Verwendet wurden Nähgarne aus Seide, Wolle oder Leinen. Eingefärbt für die Kleidung für die man sie benötigte. Diese war  aus Leinen für die Untergewänder und hauptsächlich Wolle für die Obergewänder. Samt hatte eine vollkommen andere Struktur wie der heutige. Felle wurden gern als Futter (wegen der in den Häusern und vor allem den Burgen herrschenden Kälte) und als Besatz genutzt. Die Mode des Mittelalters war farbenfroh. Dunkle Farben trugen meist nur alte Leute. Die arme Bevölkerung musste aus Kostengründen – Farbe war oft teuer – mit eher gedeckten „Naturtönen“ Vorlieb nehmen.

Kleidung war auch ein Zahlungsmittel – z.B. für Gaukler und Musiker durchaus üblich. Es konnte daher durchaus vorkommen, dass ärmere Leute gelegentlich Kleider trugen die sie sich eigentlich nicht leisten konnten. Nämlich dann, wenn sie diese als Lohn erhalten hatten. Dann natürlich im abgetragenen Zustand. Es wurde nichts weggeworfen was noch irgendwie einen Nutzen haben könnte. So endete manch schöne Robe irgendwann zuerst als Flickstoff und schließlich als Putz- und Scheuerlumpen. Darum finden sich auch nur sehr wenige erhaltene Stoffteile und Kleidungsstücke. Die wenigen die erhalten sind, stammen meist aus Gräbern.

 

Die Jagd war eine beliebte Beschäftigung der adeligen Damen - ob mit Greifvögeln oder als Hetzjagd. Auch Ausritte im Kreis ihrer Damen waren bei den adeligen Frauen beliebt.

Bei den  stattfindenden Festen und Vergnügungen wirkten die adeligen Damen eher als Randfiguren oder schöne Dekoration an der Seite ihrer Männer mit. Man tanzte, lachte, aß und trank. Und die eine oder andere Liebschaft  oder Ehe fand bei diesen Verlustigungen ihren Anfang.  Ebenso Intrige und Verrat, geplanter Meuchelmord und hochfliegende Karrierepläne.

 

Natürlich gab es in diesem gemeinhin üblichen Verhaltenskodex der adeligen Damen auch Ausnahmen. Es gab Frauen die mit in den Krieg zogen und sogar selbst kämpften. Es gab Frauen die es vorzogen nicht zu heiraten sondern lieber in ein Kloster gingen. Freiwillig – nicht weil die Eltern sie nicht verheiraten konnten oder ein Gelübde abgelegt hatten oder weil die Verwandtschaft sie nach dem Tod des Mannes so „ver- und entsorgten“.  Manche Witwen gingen manchmal diesen Weg freiwillig um so einer erneuten Wiederverheiratung zu entgehen.  In der mittelalterlichen Welt gab es Dichterinnen und Musikerinnen und liebevolle Ehefrauen die ihren Männern auch über Jahre die Treue hielten und Frauen die lesen und schreiben konnten weil sie es wollten und aufgrund der Weitsicht und/oder Großzügigkeit der Väter (oder auch manchmal der Mütter) auch durften.

 

Eins war aber den sonst so unterschiedlichen Welten der mittelalterlichen Frauen gemein: sie waren im Vergleich zu heute doch sehr unfrei.Sie haben diese Unfreiheit aber oft gar nicht empfunden - sie galt als "gottgewollt". Überhaupt hinterfrage man nicht ständig die Stellung die man in der Gesellschaft innehatte - Frauen schon mal gar nicht.  Bedingt durch die Lehre der Kirche galten Frauen als „minderwertig“ – sie hatten die Sünde in die Welt gebracht. Trotz oder gerade wegen der vielen Beeinträchtigungen und Beschneidungen ihres Lebens hat es aber immer wieder Frauen gegeben die große Leistungen vollbrachten. Hildegard von Bingen oder Elisabeth von Thüringen stehen hier für die vielen Ungenannten Töchter Evas der Vergangenheit.

Auch die vielen Heiligen und Märtyrerinnen sprechen für sich. In dieser Hinsicht waren Männer und Frauen (fast) gleichgestellt. Was aber im Leben  nicht viel nützte - denn für diese Gleichheit mußten sie erstmal das Zeitliche gesegnet haben......